Geothermie

Wärme aus dem Untergrund

Wussten Sie, dass im Erdinneren große Mengen an Wärmeenergie gespeichert sind? Quasi als Nebenprodukt liefern die radioaktiven Zerfallsprozesse im Inneren unseres Planeten selbst im oberflächennahen Teil der Erdkruste immense Mengen an Wärmeenergie. Wie wir diese künftig für Sie und ganz Norderstedt nutzen, lesen Sie hier.

Geothermie: ein Begriff, zwei Bedeutungen

Geothermie meint zunächst diese Erdwärme, die in den oberen Schichten der Erdkruste gespeichert ist. Aufgrund vieler technischer Innovationen ist es heute möglich, diese permanent entstehende Energie für uns nutzbar zu machen. So wird der Begriff inzwischen auch auf die ingenieurtechnische Nutzung im Zusammenspiel mit Wärmepumpen angewandt. Dabei wird Erdwärme genutzt, die mitunter Kilometer tief unter der Erde liegt.

Deutschlands geothermisches Potenzial

Kaum verwunderlich, wer der weltweite Vorreiter in der Erdwärmenutzung ist: Island. Um hier mithalten zu können, mangelt es Deutschland glücklicherweise an einer konkurrenzfähigen Zahl aktiver Vulkane und Geysire. Dennoch: Das Potenzial der Geothermie ist auch hierzulande erheblich, obwohl ihre Nutzung noch am Anfang steht. 2022 gab es gerade einmal 42 Geothermie-Anlagen in Deutschland. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gibt das konkrete Ziel aus, bis zum Jahr 2030 ein geothermisches Potenzial von 10 Terawattstunden pro Jahr zu erschließen und die derzeitige Einspeisung in Wärmenetze damit zu verzehnfachen. Das Fraunhofer-Institut geht davon aus, das zukünftig sogar über 300 Terawattstunden, also ein Viertel des deutschen Wärmebedarfs, über Geothermie abgedeckt werden können.

Wie funktioniert das?

Die von uns genutzte Technik der Tiefengeothermie beginnt ab etwa 400 Meter Tiefe: Über eine Bohrung wird heißes Thermalwasser an die Oberfläche gepumpt und über Wärmetauscher geleitet. Die dort entzogene Energie wird in unser Fernwärmenetz übertragen. Um den Grundwasserhaushalt nicht zu beeinflussen, wird das nun abgekühlte Wasser durch einen zweiten sogenannte Schluckbrunnen in die Gesteinsschicht zurückgeführt. Das genutzte Wasser verlässt dabei nie die hermetisch dichten Leitungen und bleibt so vor Kontaminationen geschützt. Dieses Prinzip nennt man Dublette.

Geothermie in Norderstedt

Wieder leisten die Stadtwerke Norderstedt Pionierarbeit im Norden: Wir haben 2023 als Erste in Schleswig-Holstein die Genehmigung des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie für die Suche nach Erdwärme erhalten. Das sogenannte Erlaubnisfeld ist rund 50 Quadratkilometer groß und umfasst im Prinzip das Norderstedter Stadtgebiet. Hier dürfen wir zunächst bis Mitte 2025 nach ausreichend warmem Grundwasser suchen. Im Rahmen eine Potenzialanalyse und einer laufenden Machbarkeitsstudie haben wir bereits Standorte identifiziert, an denen wir in rund 700 bis 800 Meter Tiefe ein großes Vorkommen von knapp 25 Grad Celsius warmem Grundwasser vermuten. Wenn die Erfolgsaussichten stimmen, werden wir bis zu zehn 700 bis 800 Meter tiefe Brunnen bohren.

Erster Standort für Probebohrung gefunden

Eine erste Probebohrung ist in der direkten Nähe unseres Arriba-Bads geplant – optimal wegen dessen naturgemäß hohen Wärmebedarfs. Dies würde unser erster Förderbrunnen, wo wir nach dem gleichen Prinzip hochfördern wie Trinkwasser, allerdings aus einer Tiefe von bis zu 800 Metern. Für das Dubletten-Verfahren läuft nun die Suche nach dem passenden Ort des sogenannten Schluckbrunnens zur Rückführung des Wassers. Dieser muss einen vorgeschriebenen Mindestabstand vom Förderbrunnen einhalten, darf aber auch nicht zu weit entfernt sein. Wichtig ist zu prüfen, wo wir Synergien schaffen können, weil wir schon Anlagentechnik wie unser Blockheizkraftwerk beim Arriba betreiben.

Wagemut und Wirtschaftlichkeit

Wie bei unserem preisgekrönten Engagement in der innovativen Abwärmenutzung geht auch in der Geothermie unsere Vorreiterrolle im Norden mit wohlkalkulierten eigenfinanzierten Investitionen von bis zu 40 Millionen Euro einher: Viele Kommunen in Schleswig-Holstein warten hingegen erst auf staatlich garantierte Ausfallfonds, die das Risiko von Fehlbohrungen wirtschaftlich absichern, bevor sie auch nur einen Suchantrag stellen. Denn die Erschließung von Tiefenwärme ist mitunter riskant, weil das wirkliche Potenzial unter Tage trotz seismischer Erkundung nur schwer abgeschätzt werden kann.

 
Wir gehen auch hier unseren eigenen Norderstedter Weg und investieren jetzt schon in eine moderate, aber sichere Variante. Denn aus unserer Sicht duldet die Wärmewende unserer Stadt keinen Aufschub. Bei der Aufsuchung von Geothermie gilt es, zwei Dinge zu finden: eine ausreichende Temperatur und förderbare Wassermenge. Bei tieferen Bohrungen steigt mit der Chance auf höhere Wassertemperaturen aber auch das Risiko einer hohe Kosten verursachenden Fehlbohrung. Bei Tiefen bis zu 800 Metern mit Wassertemperaturen bis etwa von 25 Grad Celsius ist dieses Risiko minimiert. Das verstehen wir unter kluger und verantwortlicher Investition zum Wohle Norderstedts.

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